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30.12.2004

Leserbrief zum Thema: Berichte über Erhöhung der Gas- und Strompreise



Herr Daschner wurde vom Landgericht Frankfurt wegen seiner Folterandrohung gegen einen inzwischen lebenslänglich einsitzenden Schwerverbrecher zu einer Geldstrafe verurteilt. Die heimischen Energieversorger SÜWAG und EVL dagegen spielen ungescholten und voraussichtlich auch ungestraft mit dem „Folterinstrument“ Tariferhöhung: bei Gas um durchschnittlich 9,7%; bei Strom werden Grundpreis und Verbrauchspreise substantiell angehoben. Die Begründung ist fadenscheinig, besonders, wenn man sich den Bilanzgewinn der SÜWAG für 2003 in Höhe von ca. 42. Millionen Euro betrachtet. Ein besonderes Licht wirft auf diese Tariferhöhung der neben dem Artikel zur Gaspreisanhebung abgedruckte Beitrag „Polizeischutz wegen Hartz“. Er macht die soziale Brisanz auch Blinden mit einem Krückstock klar: Die Schere zwischen Arm und Reich, die auch hierzulande immer weiter auseinander geht, sie liefert auch Zündstoff gegen die Energieversorger. Ist auch dort Polizeischutz nötig?

Ungescholten zahlte die SÜWAG im Jahr 2003 an 22 Aufsichtsratsmitglieder die Gesamtsumme von 281.000 Euro aus. Pro Person sind das rechnerisch rund 12.772 Euro. Zusätzlich unterhält die SÜWAG noch einen Zentralen Beirat mit 11 Personen, die zusammen 124.000 Euro erhielten. Dies macht pro Person runde 11.272 Euro. Die Gelder gehen an Landräte, Bürgermeister, gut eingestufte Verwaltungsmitarbeiter von Gemeinden und Kreisen und auch hoch dotierte Mitarbeiter anderer Energieversorger. Um welchen Betrag könnte die SÜWAG die Bezugspreise für Bedürftige senken, wenn die Mitglieder beider Gremien auf diese Summen verzichten würden?

Sind diese Verhältnisse nicht vergleichbar mit denen, die Laurenz Meyer, den Bundesgeschäftsführer der CDU, vor ein paar Tagen in den Rücktritt zwangen? Und wäre nicht vergleichbar eine großzügige Spende der SÜWAG für die moralisch verwerflichen Geldzahlungen an gutgestellte heimische Politiker angebracht? Die Opfer der Naturkatastrophe am Indischen Ozean benötigen die Gelder mit Sicherheit dringender.

Peter Ziegler