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28.12.2004

Leserbrief - Schnitzel sind verwerflich, Schweinelenden gut!



Stellen Sie sich vor, Sie sind den ganzen Tag in Hessen unterwegs. Es schneit derart, dass der Verkehr in weiten Teilen des Landes zusammenbricht. Dennoch kämpfen Sie sich in Rekordzeit nach Würges zur Stadtverordnetenversammlung durch - ohne Pause. Sie haben nichts zu essen bekommen. Am nächsten Morgen wird es wegen der Rückfahrt ebenfalls nichts zu essen geben. Das Bürgerhausrestaurant kann in 15 Minuten ein Schnitzel backen, die Pfanne ist noch warm. Sie bestellen eines, essen es auf und bezahlen es – selbstverständlich aus eigener Tasche! Der normalste Vorgang der Welt – drei Mahlzeiten am Tag nimmt jeder von uns zu sich.

Ein Bürgermeister sieht darin die Veruntreuung von Steuermitteln – ist er krank?

Stellen Sie sich vor, ein Bürgermeister lädt seine Frau, seine Kinder und seine Angehörigen ein und feiert für 5.000 € rauschend seinen 50. Geburtstag und für 3.800 € seinen Abschied als glückloser Bürgermeister. Das Geld nimmt er aus der sowieso nicht stimmigen Stadtkasse. Ein Bürgermeister findet die Verwendung der Steuermittel für Schweinelenden lobenswert. Für die Finanzierung ist er sogar bereit, die Kindergartengebühren zu erhöhen. Ist das normal?

Ich bin die Mutter der täglich essenden, ihre Mahlzeiten selbst zahlenden und dennoch der Veruntreuung von Steuermitteln bezichtigten FDP-Fraktionsvorsitzenden Kerstin Weyrich. Ich habe ebenfalls ein – verwerfliches – Schnitzel gegessen und – noch verwerflicher – selbst bezahlt. Dies führte dazu, dass mein Schnitzel auch negative Erwähnung fand. Die Schnitzel wurden gebacken und von uns aufgegessen. Alles in allem dauerte dies vielleicht eine ¾ Stunde. Danach sind wir beide unverzüglich wieder in die Stadtverordnetenversammlung gegangen. Ich als Zuschauerin und meine Tochter als Beteiligte.

Eine Mahlzeit – an Banalität nicht zu überbieten. Sind dies die merkwürdigen Ereignisse um den Brunnen, die Stadtkasse und die fehlenden Rechnungsprüfungsberichte auch?

Inge Weyrich,

Bad Camberg